Parteitagsgespräche: Matthias Fischbach fordert die Wirtschaftsschulen ab der 5. Klasse zu ermöglichen

Am Rande unseres Parteitages in Hirschaid haben wir Gespräche zum Hintergrund der Tagespolitik geführt.

Alan Canepa: Ich spreche mit Matthias Fischbach, hier beim Landesparteitag der FDP. Matthias, danke dass du dir Zeit genommen hast, du hast heute am Parteitag gefordert, dass die Wirtschaftsschulen schon ab der 5. Klasse bereits beginnen sollen, wie kam es zu der Forderung und warum willst du das ändern?

Matthias Fischbach: Also unser Bildungssystem ist ja gerade in der Frage, was ab der fünften Klasse beginnen darf oder nicht –jeher in Bewegung, also, ich hab’s erlebt, dass zur Jahrtausendwende die Realschulen, die ja ursprünglich ab der siebten Jahrgangs-Stufe ab der 5. Jahrgangs-Stufe beginnen. In Reaktion darauf haben dann die Mittelschulen sozusagen, die vorher Hauptschulen hießen, eine Möglichkeit bekommen, auch eine mittlere Reife als Abschluss anzubieten und im Anschluss wurde dann dort immer früher auch begonnen, mittlere Reifen-Klasse bzw. auch Vorkurse anzubieten, die auch schon ab der fünften Jahrgangsstufe beginnen können. Damit wird quasi die Mittelschule zwar attraktiver, aber eben auch die Wirtschaftsschule als solches Modell geschwächt – die zwar in der Zwischenzeit auch immer früher anfangen durfte, jetzt ab der sechsten Klasse – nach einem Modellversuch, den die FDP eingeführt hat – aber letzten Endes ist sie die einzige Schulform, die quasi nicht ab der 5. Klasse beginnen kann. Dennoch hat sie eigentlich das Ziel, genauso wie die anderen Schulformen auch, eine Allgemeinbildung zu vermitteln.

Es gibt auch den Wunsch jetzt von verschiedenen Wirtschaftsschulen, dass sie aber der 5. Klasse beginnen können, mit einem Lehrplan der quasi an die Mittelschulen orientiert ist. Es ist auch inzwischen den privaten Wirtschaftsschulen gelungen, per Gerichtsverfahren durchzufechten, dass sie damit so nah an dem restlichen Bildungssystem dran sind, dass sie das als Ersatzschule auch anbieten dürfen, eine Wirtschaftsschule ab der 5. Klasse. Also die Veränderung kommt eigentlich sowieso. Unser Ansatz wäre dann, dass auch politisch zu begleiten und insgesamt mehr Wahlfreiheit beim Übertritt zu schaffen. Wir wollen nicht, dass die Schüler nach der vierten Klasse wechseln und dann nach der fünften Klasse noch mal wechseln, wenn sie auf die Wirtschaftsschule wollen, und zwischendurch mal auf der Mittelschule oder auf einer anderen weiterführenden Schule sind, so einen Wechselzirkus, das wollen wir ja gerade vermeiden. Wir wollen eine Vertiefungsmöglichkeit schaffen, dass man schon ab der vierten Klasse auch entscheiden kann, möchte man in die Allgemeinbildung gehen oder hat man bestimmte Talente, die gefördert werden können und sollen.

Wir haben ja vor allem das Thema, dass beim Übertritt sehr viel Wert auf die drei Kernfächer gelegt werden, also Heimatsachkunde, Deutsch und Mathematik. Wenn aber jemand Talente in Musik oder beim Sport oder in welchem Fach auch immer, hat, wird das Ganze überhaupt nicht gewertschätzt beim Übertritt. D.h. Jemand der dort nicht den entsprechenden Schnitt in den drei Hauptfächern hat, der muss auf die Mittelschule und das wollen wir anders gestalten, weil das auch ein Mechanismus ist, der überhaupt nicht wertschätzt, was Kinder auch teilweise können und der demotiviert. Wir wollen deswegen auch das System insgesamt weiterentwickeln sind, dass also das Vorbild vor Wirtschaftsschulen mehr oder weniger auch ein Vorbild für das System der Mittelschulen werden kann, das heißt, also, dass es dann unterschiedliche Schwerpunkte geben darf zwischen den verschiedenen Mittelschulen.

Aktuell ist es ja so, dass wir eigentlich überhaupt keinen Wettbewerb zwischen Mittelschulen haben im Sinne der Schulprofile, im Sinne der Konzepte, im Sinne der pädagogischen Konzepte, sondern im Endeffekt sind Mittelschulen immernoch Pflichtschulen, die nach dem Schulsprengel, also nach dem Wohnorts-Bezug zugeordnet werden. Wenn ich also z.B. in Effeltrich wohne, muss ich in Baiersdorf auf die Mittelschule gehen, weil es Teil des Sprengels ist, und nur wenn ich es schaffe, an verschiedensten Stellen einen Antrag auf Versetzung durchzukriegen, darf ich auf eine andere Schule gehen. Da ist natürlich kein Wettbewerb drin und damit auch keine Dynamik, und unser Gedanke wäre eben, dass die Mittelschulen eigene Schwerpunkte setzen können, sowie bei der Wirtschaftsschule, kann es dann auch eine Kreativ-Mittelschule geben oder einen Techniker-Mittelschule, die dann in bestimmten Bereichen dann noch mal Zusatzkurse auch anbietet, damit ein eigenes Profil gewinnt, und damit auch einen gewissen Stolz zurückgibt, weil man damit eben auch ganz bestimmte Talente, die die Kinder ja auch haben, fördern kann und das wäre so mein Grundgedanke, dass wir unser Schulsystem da an dieser Stelle weiterentwickeln und damit auch zukunftsfähig machen.


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