Parteitagsgespräche: Luiza Sydorova warnt vor einer Trivialisierung des Ukrainekrieges

Am Rande unseres Parteitages in Hirschaid haben wir Gespräche zum Hintergrund der Tagespolitik geführt.

Alan Canepa: Ich spreche mit Luiza Sydorova, sie hat heute eine emotionale Rede auf unserem Parteitag gehalten, indem sie ihre Frustration mit dem Krieg in der Ukraine beschreib. Luisa, du hast mir gesagt, die Trivialisierung des Konfliktes nervt dich. Was meinst du damit?

Luiza Sydorova: Ja, es ist definitiv so, dass wir nach 38 Tagen eine gewisse Normalisierung und Distanzierung – emotionale Distanzierung – zum Krieg in der Ukraine durchleben. Selbst ich, als Betroffene, deren Verwandtschaft teilweise noch in der Ukraine ist, merke, dass man nach so vielen Wochen auch an eine emotionale Grenze gerät und sich aus Schutz eine Distanzierung einsetzt. Gleichzeitig macht mir diese Distanzierung Angst, und diese Normalisierung, welche wir erleben, weil diese natürlich auch daraufhin wirkt, dass politische Forderungen nicht mehr mit der nötigen Vehemenz im Vordergrund stehen, wie diese nötig sind. Ich befürchte, dass sich der Krieg immer weiter in den Hintergrund verlagern wird, und, dass wir, statt darauf hinzuwirken, dass der Krieg zu Ende geht, uns damit einfach arrangieren.

Alan Canepa: Du bist auch aktiv beteiligt an den Hilfsmaßnahmen der Ukraine. Was genau tust du da und wie können die Menschen in Nürnberg deine Maßnahmen unterstützen?

Luiza Sydorova: Genau, also, ich bin Teil einer in Nürnberg neu gegründeten Initiative «Heart for Ukraine Nordbayern», wir führen die größte mittelfränkische Sachspenden-Sammelstelle und koordinieren Hilfsgütertransporte in die Ukraine. Wir konzentrieren uns ausschließlich auf notwendiges Material wie Verbandsmaterialien und Schutzausrüstung. Wir arbeiten Tag für Tag weiter und versenden so viele Transporte wie möglich. Wir merken, dass Privatspenden immer weiter zurückgehen und haben jetzt einen Aufruf gestartet, dass Unternehmen in der Region, aber auch deutschlandweit, uns entweder Sach- oder Geldspenden zukommen lassen können, damit wir halt davon benötigte Materialien, wie z.B. Wundbandagen, in großen Massen einkaufen und an die ukrainischen Behörden weitergeben können.

Alan Canepa: Nun haben wir ja hier am Landesparteitag ein Positionspapier zur Ukraine beschlossen. Was wäre deine Forderung an die Politik in Deutschland um mit dem Krieg in der Ukraine besser umzugehen?

Luiza Sydorova: Ich würde sagen ein Umdenken dahingehend, dass auch jetzt die Angst vor einer weiteren Eskalation, dem Westen keine Lähmung auferlegt. Denn man sieht es in den russischsprachigen Medien: Im Staatsfernsehen Russlands, dass z.B. die Sanktionen schon als Angriff auf die Souveränität Russlands propagiert werden. Deswegen sollten wir uns nicht davor scheuen, weitere politische Schritte einzuleiten.


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