Kommunalpolitik auf gesunde Art…

…das hat bei den Nürnberger Liberalen Tradition. Unter der sachkundigen Führung von Alt-Stadtrat Wolfram Unger, ausgestattet mit kommunalpolitischer Erfahrung und fundierten Geschichtskenntnissen, standen diesmal – ausgehend vom Hauptmarkt – der Nürnberger Westen und die Pegnitzauen im Vordergrund. Da sich die Nürnberger und Fürther Liberalen gut verstehen, wurde gleich noch ein Abstecher in den Fürther Stadtpark drangehängt.

 Am Schönen Brunnen ging die Wanderung los. Allein hier hätten wir locker den ganzen Nachmittag aus kommunalpolitischer Sicht verbringen können. Aktuell wird ja die häufig geforderte Umgestaltung des zentralen Platzes unserer Stadt heftig und durchaus sehr kontrovers diskutiert. Dieser Streit ist allerdings nicht Neues, sondern dauert schon Jahrzehnte an. Wolfram Unger wies z.B. auf die immer wieder aufflammende Diskussion zur Rückkehr des Neptunbrunnens (Kopie heute im Nürnberger Stadtpark) auf seinen ursprünglichen Standort am Hauptmarkt hin.

Ein paar Meter weiter der nächste Brennpunkt: der Augustinerhof! Über Jahre spaltet er die Nürnberger Bevölkerung. Die Traditionalisten und die Modernisierer stehen sich unversöhnlich gegenüber. Wolfram Unger schilderte die aktuelle Situation und warum es nicht weitergeht, obwohl der Entwurf des Stararchitekten Volker Staab jetzt eine maßvolle Bebauung mit Öffnung zur Pegnitz  vorsieht. Die Nürnberger FDP hat von Beginn an eine klare Position: Wir wollen das Zusammenspiel von Tradition und sich fortentwickelnder Architektur.
Nach interessanten Diskussionen ging es weiter vorbei am Weinstadel (für etliche FDP-Wanderer in Studienzeiten als Mensa in nostalgischer Erinnerung) und an der neu eröffneten Gaststätte „Kettensteg 2.0“ in Richtung Hallerwiese, deren Name auf den Nürnberger Finanzier Kaiser Karls IV., Berthold Haller, zurückgeht. Heute ein schöner Park an der Pegnitz mit dem historischen „Armbrustschützenbrunnen“ von 1904, der an die frühere Funktion als Schießplatz der „Nürnberger Schnepperschützen“ erinnert! Unweit davon erklärte uns Wolfram Unger die Geschichte der historischen Weidenmühlen (1214 von König Heinrich VII. zunächst an den Deutschen Orden, dann 1431 an die Reichsstadt Nürnberg gekommen). Heute wurde daraus ein attraktives Wohngebiet, nachdem in den 1980er Jahren die Bleistiftfabrik Lyra die Großweidenmühle und die Münzprägeanstalt L. Chr. Lauer die Kleinweidenmühle verlassen hatten.
Langsam bleibt die Innenstadt hinter uns und wir nähern uns den Pegnitzauen. Ein Naherholungsgebiet mit hohem Integrationsfaktor! Da geht einem Liberalen das Herz auf, wenn er sieht, wie dieses herrliche Gelände von den unterschiedlichsten Nationalitäten im gesamten Generationenspektrum in unterschiedlichster Weise genutzt wird. Vom finnischen Wurfspiel Mölkky über Fußball bis zum Grillen nach südländischen Rezepten reicht das Spektrum. Große Zustimmung fanden bei den Liberalen auch die Gestaltungsmaßnahmen des staatlichen Wasserwirtschaftsamtes Nürnberg. Heiß diskutiert wurden unter anderem die unterschiedlichen Pegnitzstellen für die geplante Einrichtung einer „Surf-Station“.
Über den Fuchslochsteg ging es auf die andere Pegnitzseite, vorbei an den Sportplätzen Richtung Fürth. Wie es sich gehört, haben wir vor dem Überschreiten der Stadtgrenze natürlich kurz innegehalten! Imponiert hat uns die Fürther Uferstadt, ein – wie wir meinen – gelungenes Beispiel, wie aus „alten Ruinen neues Leben erwächst“. Vor dem I. Weltkrieg war hier ein Heilbad geplant. Von der noch erhaltenen schwefelhaltigen „König-Ludwig-Quelle“ nahmen wir eine Trinkprobe. Nachdem aus dem Kurbad nichts geworden war (die Kurgartenstr. erinnert noch daran), kaufte Max Grundig das Gelände. Nach Auflösung seiner Firma entstand an dieser Stelle ein beeindruckendes Technologiezentrum, das heute 2 500 Arbeitsplätze in ca. 24 verschiedenen Firmen bietet.
Wenn uns nicht die Lust auf Kaffee und Kuchen angetrieben hätte, dann würden wir den Ausführungen von Wolfram Unger wahrscheinlich  immer noch gespannt zuhören. So sind wir dann strammen Schrittes Richtung Endpunkt der Wanderung weitergegangen.  Der herrliche Fürther Stadtpark ist auch für einen Nürnberger ein lohnenswertes Ziel. Der damalige Fürther Stadtgartendirektor Hans Schiller brachte 1951 die Gartenschau „Grünen und Blühen“ in seine Stadt. Ihm verdankt Fürth nicht nur seinen schönen Park, sondern auch die Freihaltung der Pegnitzauen von jeglicher Bebauung,
In dem Gefühl, „sich jetzt etwas Gutes verdient zu haben“, sind wir dann im Stadtpark-Cafè eingekehrt. Unser Parteifreund Sebastian v. Meding aus dem Kreisverband Nürnberger Land hielt sich dabei streng an die überlieferte liberale Tradition, indem er einen Milchshake bestellte. Der Überlieferung nach wurde nämlich dem liberalen Bundespräsidenten Theodor Heuss bei seinem Besuch in Fürth in eben diesem Lokal ein Milchshake serviert! Soll bloß niemand sagen, die Liberalen hätten keinen Sinn für Tradition!
Nach netten Gesprächen sind wir dann auf der historischen Trasse der Nürnberg-Fürther Eisenbahn wieder Richtung Nürnberg gelaufen, um schließlich ab der Jakobinenstraße noch die Vorzüge unserer U-Bahn zu genießen.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Wolfram Unger, der wieder optimal vorbereitet war, mit zahlreichen Karten die geografischen  Zusammenhänge erläuterte und uns durch seine lebendigen Darstellungen geschichtlicher und kommunalpolitischer Art begeisterte. Im Herbst werden wir mit ihm wieder einen Stadtteil erwandern, hat er uns versprochen!
Alex Liebel


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