Kamingespräch – Energetische Sanierung

Nürnberg – Auf Einladung der FDP Nürnberg traf ich mich zu einer Gesprächsrunde über die Bedeutung der energetischen Sanierung für die Energiewende mit Sebastian Körber MdB (baupolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion), Peter H. Richter (Geschäftsführer ENERGIEregion Nürnberg e.V.) und Wilhelm Scheuerlein (Handwerkskammer Mittelfranken). Moderiert hatte die Gesprächsrunde Wolf Maser.

Es werden derzeit ca. 40 Prozent der Energie zum Heizen von Immobilien verbraucht. Da weniger als ein Drittel des Gebäudebestandes energetisch saniert ist oder dem energetischen vorgegeben Standard entspricht, steckt in der energetischen Sanierung ein enormes Einsparpotential und sie somit ein wichtiger Baustein bei der Energiewende. Durch energetische Gebäudesanierung könnten bis zum Jahre 2020 insgesamt 50 Milliarden Euro Heizkosten gespart werden. Die Gesetze zur energetischen Sanierung, mit denen durch steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten ein Anreiz zur energetischen Sanierung geschaffen werden soll, liegen seit Monaten im Vermittlungsausschuss, da der Bundesrat diese Gesetzte abgelehnt hat. Gleichzeitig wird derzeit in der Bundesregierung die EnEV 2012 novelliert. Der richtige Zeitpunkt für zwei Politiker sich Input von zwei Fachleuten zu holen.

Peter H. Richter war früher wbg Chef und ist somit mit den Herausforderungen der energetischen Sanierung eines großen Wohnungsbestandes bestens vertraut. „Leuchtturmprojekte allein bringen uns nicht weiter, wir müssen bei der Sanierung in die Breite gehen“, forderte er deshalb. Die energetische Sanierung müsse besser gefördert werden, damit sie auch für private Vermieter attraktiv wird. Aus Sicht des Handwerks seien die Anforderungen zu bewältigen. „Wir sind im Bereich der energetischen Sanierung gut aufgestellt, obwohl die Anforderungen an Beratung und Weiterbildung in den vergangenen Jahren gestiegen sind“, so Wilhelm Scheuerlein. Er erwarte daher von der Politik Verlässlichkeit statt Verzögerungen und insbesondere steuerliche Anreize, die eine enorme Zugkraft hätten.

Sebastian Körber erachtete die Anreize für Sanierungsmaßnahmen nicht nur als Fachpolitiker, sondern gerade auch als Architekt für sinnvoll. Für die Blockade im Bundesrat hatte auch er kein Verständnis: „Weshalb mit Baden-Württemberg gerade ein grün regiertes Bundesland verhindert, dass die enormen Potentiale der energetischen Sanierung für den Umweltschutz genutzt werden, ist logisch nicht zu erklären“, so der Bundestagsabgeordnete. Auch die aktuelle Reform des Mietrechts könne nun dazu beitragen, die Energiewende zu beschleunigen. So soll die energetische Sanierung in den ersten drei Monaten kein Grund mehr für eine Mietminderung sein. Auch die Unterschreitung der Mindestabstände zu Grundstücksgrenzen soll bei nachträglichen Dämmungsmaßnahmen möglich werden.

Wir haben uns ein sehr enges Zeitfenster bei der Umsetzung der Energiewende gesetzt. Sie kann dann ein Erfolg werden, wenn wir alle an einem Strang ziehen und vernünftige Rahmenbedingungen setzen. Daher haben wir in Bayern als erstes Bundesland überhaupt ein Energiekonzept verabschiedet und auch die Förderung der energetischen Sanierung von Anfang an unterstützt. Wir setzen unser Konzept zur Energiewende konsequent um, statt auf Übersubventionierung setzen wir auf Anreize zu Investitionen und Innovationen. Nun muss auch die Bundesregierung handeln. Die Reform des EEG und der Leitungsausbau in Deutschland müssen möglichst schnell umgesetzt werden.


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