Wo der Fischbach zum Goldbach wird

Der Parkplatz Norikus am Wöhrder See war zum zweiten Mal Ausgangspunkt für eine der beliebten kommunalen Wanderungen innerhalb Nürnbergs, bei denen es unser ehemaliger Stadtrat Wolfram Unger immer wieder geschickt versteht,  kleine „Geheimnisse“ aufzuspüren sowie die aktuelle Kommunalpolitik mit der Geschichte Nürnbergs zu verbinden. Dieses Mal ging es Richtung Südosten zunächst entlang des Goldbachs. Letztlich war der Dutzendteich unser Ziel.

 Kaum hat man die Kressengartenstraße überquert, steht man schon mittendrin in der Geschichte und Zukunft Nürnbergs, im Tullnaupark.  Er führt einen Dornröschenschlaf und wird von der Öffentlichkeit bisher leider nur wenig beachtet.  Im 19. Jahrhundert war er, heute würde man sagen, ein Vergnügungspark, direkt angebunden an eine Brauerei,  die auf dem jetzigen Gelände der Norikus-Häuser stand.  Im Zuge der umfangreichen Neubebauung des Milchhof-Areals wird von der Stadtverwaltung und dem Stadtrat intensiv darüber nachgedacht, wie dieses Nacherholungsgebiet wieder zum Leben erweckt werden kann. Insbesondere die Pergola-Anlage und die Hangterrassen haben es der  Stadtheimatpflegerin „angetan“.  Sie sucht dringend Bildmaterial aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg.  In diese Überlegungen der Neugestaltung sollen natürlich auch die zukünftige Entwicklung des Wöhrder Sees einbezogen werden und die Freilegung des bisher verrohrten Goldbaches, was sich insbesondere der Bund Naturschutz auf seine Fahnen geschrieben hat.

Nur wenige Gehminuten weiter schon das nächste Kleinod:  das Zeltnerschloss, einer der reizvollsten Herrensitze Nürnbergs, heute im Eigentum der Stadt, die dort u.a. einen Kulturladen betreibt.  Urkundlich erwähnt wurde an dieser Stelle erstmals 1336 ein Hammerwerk.  Ab 1854 hat es dann Johannes Zeltner,  eine bemerkenswerte Persönlichkeit, abgerissen und das schon bestehende Schloss auf der Insel gekauft.  Zeltner stammt aus einer „Hopfen-Familie“ und hat sich später als Unternehmer intensiv um die Erzeugung von Ultramarin (an der heutigen Zeltnerstraße) gekümmert.  Er war sehr aufgeschlossen für die sozialen Belange seiner Arbeiter.   Als Liberaler vertrat er von Dezember 1848 bis Mai 1849 den Wahlkreis Fürth im Paulskirchenparlament.
Wieder nur wenige Schritte weiter stößt man auf eine echte Überraschung:  den einzigen künstlich angelegten Wasserfall Nürnberg mit einer Fallhöhe des Goldbachs von ca. fünf Metern. Kaum aus dem Staunen heraus,  läuft man in die –  nach den Pegnitzauen –   größte naturbelassene Grünfläche Nürnbergs entlang des Goldbachs.
Vorbei an der Gaststätte „Baggerloch“, einem Geheimtipp, nähern wir uns Zerzabelshof:  „Heiner-Stuhlfauth-Straße“, da geht einem Nürnberger Fußballfan natürlich das Herz auf!  Der ehemalige „1. FCN-Sportpark Zabo“  hat diesen Stadtteil weltberühmt gemacht. Bereits Anfang der 1960-er Jahre musste er Hochhausbauten weichen. Wolfram Unger schildert die historischen Wurzeln des Stadtteils, die in einem Forsthaus des 14. Jahrhunderts  liegen.  500 Jahre später baute der Forstdirektor Freiherr von Metthing  hier ein schon bestehendes Schloss um (heute Aussiger Platz 4-6). Eine nach Metthing benannte Straße verläuft heute entlang des Goldbachs.  Der Zabo,  Heimat des „Club“,  hat sich seit dem 19. Jahrhundert von einem Dorf mit 49 Einwohnern zu einem Stadtteil im Format einer Kleinstadt mit ca. 13.000 Einwohnern entwickelt. 
Vorbei an einem umstrittenen Wohnbauprojekt laufen wir durch die Urbanstraße und werden vom Lorenzer Reichswald „geschluckt“. Nach kurzer Zeit erreichen wir die Stelle, „wo der Fischbach zum Goldbach wird“.  Trennlinie ist der Valznerweiher  bzw. genauer gesagt der kleine und der große  Valznerweiher,  seit dem 19. Jahrhundert bis heute ein beliebtes Ausflugsziel.  Der am 1. November 1923 gemeinsam mit Zerzabelshof nach Nürnberg eingemeindete Weiher wurde benannt nach Herdegen Valzner (+ 1423), einem aus Prag stammenden Bankier. Der Fischbach fließt in den Valznerweiher hinein und als Goldbach wieder heraus. 
Vorbei an dem „neuen“ Sportpark des 1. FC Nürnberg, inzwischen schon mit leicht klammen Fingern, weil es zwar trocken aber doch sehr kalt ist, steuern wir den Dutzendteich (von „dutze“ = Schilfrohrkolben) an.  Auch hier wird die Geschichte kurz angerissen vom Energiespender für Mühlen und Hammerwerke zum Vergnügungssee des frühen 20. Jahrhunderts bis zur Einbeziehung in den Größenwahn des „Reichsparteitagsgeländes“. 
Im „Strandhaus am Dutzendteich“ sitzen wir noch gemütlich zusammen und lassen den Nachmittag mit interessanten Gesprächen ausklingen.
Im Namen aller Teilnehmerinnen (die jüngste war sechs Wochen! – alles Gute für Familie Laub) und Teilnehmern  bedanke ich mich ganz herzlich bei Ilse und Wolfram Unger, die wiederum mit viel Mühe und Herzblut die Wanderung vorbereitet haben. 
Wer glaubt, er kenne Nürnberg, den lade ich schon heute zu unserer nächsten kommunalpolitischen Wanderung ein. Das Erstaunen, was man als Nürnberger alles nicht weiß, wird groß sein.  Aus eigener Erfahrung kann ich das jetzt schon garantieren!
Alexander Liebel


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