Interview mit Katja Hessel – „Es ist etwas Besonderes, den Plenarsaal zu betreten“

02.12.2017. Katja Hessel ist Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Nürnberg Nord und seit September zum ersten Mal im Deutschen Bundestag. Wir sprechen mit ihr über ihre Erfahrungen und Eindrücke, die sie dort bis jetzt erlebt hat.

Dallheimer: Hallo Katja, vermisst du Mittelfranken schon?
Katja Hessel: Momentan noch nicht wirklich, denn aufgrund der vielen Sondierungsgespräche sind einige Sitzungswochen gestrichen worden, so dass ich noch gar nicht so oft in Berlin war. Vor allem weil wir dort auch noch keine richtigen Büros haben.

Dallheimer: Wie sieht denn dein Tagesablauf als Abgeordnete momentan aus?
Katja Hessel: Es gibt derzeit keinen geregelten Tagesablauf. Wir haben momentan die erste Sitzungswoche gehabt, aber diese war auch eine verkürzte und die Ausschüsse tagen noch nicht. Aber normalerweise wird eine Sitzungswoche wohl so aussehen, dass ich montags anreise und Büroarbeit erledige, Dienstag dann Fraktions-, Landesgruppen- und Arbeitsgruppensitzungen sein werden, Mittwoch die Ausschüsse tagen und Donnerstag und Freitag Plenum sein wird. Aber in der Praxis haben wir dies noch nicht getestet. In den sitzungsfreien Wochen ist es noch unterschiedlicher, da es da einfach auf die Terminlage und die Außentermine ankommt. Derzeit aber geht es hauptsächlich die ganze Zeit um den Aufbau des Wahlkreisbüros und den Umgang mit der Bundestagsverwaltung.

Dallheimer: Gab es etwas total Unerwartetes, was dich als MdB erwartet hat?
Katja Hessel: Die Größe der Bundestagsverwaltung, die umfasst nämlich 5000 Mitarbeiter.

Dallheimer: Welches Gefühl ist es denn, im Plenarsaal im Bundestag zu sitzen?
Katja Hessel: Die konstituierende Sitzung war ein sehr feierlicher und erhebender Moment, gerade auch als zum Schluss alle aufgestanden sind und die Nationalhymne gesungen haben. Bei den normalen Sitzungen ist es aber auch einfach was besonderes den Plenarsaal zu betreten.

Dallheimer: Für was möchtest du dich nun in Berlin einsetzen?
Katja Hessel: Ich habe mich für zwei Ausschüsse beworben, einmal für den Finanzausschuss mit Schwerpunkt Steuern und als zweites für den Tourismusausschuss. Ob dies beides auch klappen wird, weiß ich leider noch nicht. Im Bereich Steuern werde ich mich dafür einsetzen, dass wir ein Steuerrecht bekommen, dass eine Vereinfachung und Digitalisierung nicht vom Finanzamt aus denkt, sondern vom Steuerzahler. Darüber hinaus natürlich trotz allem versuchen, dass wir Forderungen aus unserem Wahlprogramm umsetzen..

Dallheimer: Stichwort Soli, wird eine Abschaffung kommen?
Katja Hessel: Nachdem Scheitern von Jamaika glaube ich nicht einmal, dass in der Legislatur ein Einstieg in den Ausstieg kommen wird. Allerdings hatten dies sowohl SPD wie auch Union im Wahlkampf eine Änderung hierzu angekündigt.

Dallheimer: Was möchtest du in den nächsten 4 Jahren für deinen Wahlkreis erreichen?
Katja Hessel: Ich möchte, dass Nürnberg als zweitgrößte Stadt in Bayern so auch wahrnehmbar ist. Dies möchte ich natürlich gerne auch über den Bereich Tourismus ermöglichen. Wir haben in Nürnberg zum Beispiel das Reichsparteitagsgelände, wo auch dringend Bundesmittel für die Sanierung in ausreichender Höhe fließen müssen. Darüber hinaus gibt es gerade im Verkehr auch viele Themen, die in Berlin für Nürnberg entschieden werden können.

Dallheimer: Was sagst du zu den Sondierungsverhandlungen? Ist Jamaika realistisch?
Katja Hessel: Leider ist ja Jamaika gescheitert, was ich persönlich sehr bedauere. Aber im Nachgang betrachtet, was zwar immer einfacher ist, war dieses Projekt wohl auch von Anfang zum Scheitern verurteilt. Es ist weder gelungen ein gemeinsames Projekt für die Legislatur zu finden, noch eine gemeinsame Vertrauensbasis zu finden. Aber letztendlich sind wir an den inhaltlichen Differenzen gescheitert, da wir auch am Ende in den zentralen Themenbereichen teils weit auseinander lagen.

Dallheimer: Ab wann kann man denn mit einer möglichen Regierung mit FDP-Beteiligung rechnen?
Katja Hessel: So schnell jetzt wohl nicht, aber ich möchte auch nicht für alle Zukunft Jamaika ausschliessen.

Dallheimer: Letzte Frage. Berliner Currywurst oder Nürnberger Bratwurst?
Katja Hessel: Na immer 3 im Weckla

 

Das Interview führte Johannes Dallheimer.


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