Christiane Alberternst: Erinnerungen an meinen Mentor Utz W. Ulrich

Im Familienurlaub erreichte mich die Nachricht vom Tod meines politischen Mentors, dem langjährigen Nürnberger Stadtrat Utz Ulrich.
Ich bin traurig, dass er nicht mehr da ist. Und ich bin dankbar für die Zeit, die wir miteinander verbracht haben. Und für alles, was er für mich getan hat.

Erinnerungen an meinen Mentor Utz W. Ulrich

von Christiane Alberternst

„Kunst ist schön – macht aber viel Arbeit“ wusste Karl Valentin. Kein Problem für Utz W. Ulrich, leidenschaftlicher Kulturlobbyist. Er sei „im papierverarbeitenden Gewerbe beschäftigt“, nannte er seine Stadtratstätigkeit scherzhaft, weil er sich wöchentlich durch „40 cm hohe Stapel von Unterlagen“ arbeite. Seine Leidenschaft für Kunst und Kultur war sein Antrieb, den Nürnberger Theatern, der Staatsoper, dem Tiergarten, Museen, der Kunstszene, Kultureinrichtungen etc. die nötige Rückendeckung und finanzielle Ausstattung zu verleihen. Er war ein fleißiger Antragsschreiber im Kulturbereich und als Stadtrat im öffentlichen Leben der Stadt omnipräsent. Immer mit dem Fahrrad, immer pünktlich, im Stundentakt von Veranstaltung zu Veranstaltung unterwegs, so konnte man ihn zwischen 18 und 23:00 Uhr schon einmal gut und gerne auf vier bis fünf Vernissagen, Empfängen und Konzerten antreffen. Ihm lag die Strahlkraft seiner Wahlheimat Nürnberg sehr am Herzen. So setzte er sich ein für das Staatstheater, für den Tiergarten, insbesondere die Delphinlagune, die Autobahnanbindung des Flughafens, den Ausbau des Frankenschnellwegs und er war ein vehementer Unterstützer eines neuen Konzertsaals für Nürnberg. „Nürnberg muss leuchten“ war sein Motto.
Er zitierte ohne mit der Wimper zu zucken im Stadtrat Voltaire und Schiller, vertrat seine Meinung, immer und vor allem auch dann, wenn sie nicht opportun war. Ein Individualist mit gut gepflegtem Spleen und hohen Ansprüchen an sich und andere. So gesehen hatte er etwas Britisches an sich, er liebte Ironie, Witz und Schlagfertigkeit. Dabei war er immer auch selbstironisch und für jeden Schabernack zu haben. In seinem Mercedes Cabriolet Baujahr 1952 an der Parade des Christopher-Street-Day teilnehmen – für Utz selbstverständlich. Auch wenn der Oldtimer das langsame Tempo nicht vertrug, heiß lief und am Ende von einer Schar junger leichtbekleideter Männer geschoben werden musste: für Utz das Sahnehäubchen auf einem gelungenen Einsatz für Bürgerrechte. Was viele, die ihn eher oberflächlich kannten, vielleicht nicht so wahrgenommen haben: er setzte sich ein für Bürgerrechte, war Mitglied von anmesty international und hatte dort auch in jüngeren Jahren das Amt des Schatzmeisters Deutschland inne. Es machte ihm großen Kummer, dass im Stadtrat seines geliebten Nürnberg Vertreter der Rechtsextremen saßen, und prangerte deren Gesinnung regelmäßig an. Er brauchte Aufmerksamkeit und setzte sie für gute Zwecke ein. Als Auktionator legte er legendäre Auftritte im karierten Anzug hin (plus Anekdote zum Anzug), bei denen er mit flotten Sprüchen stattliche Summen für wohltätige Zwecke aus der Bieterschar presste. Bei den Nürnberger Stadtverführungen war er ein vergnügter „Stadt(ver)führer“ und brachte interessierten Bürgern gern architektonische Jugendstilperlen oder das Spielzeugmuseum nah.
Utz W. Ulrich war ein schillernder Mensch mit vielen Interessen, von hoher Bildung, auch statusbewusst. Mit Witz und Charme, mit Zielstrebigkeit und Fleiß, mit Fliege und Fahrrad hat er die Nürnberger Kommunalpolitik und die FDP Nürnberg über Jahrzehnte geprägt.
Für mich persönlich war Utz Mentor und Motor. Er gab mir unendlich unterhaltsame Privatstunden in Kommunalpolitik, von der schon die erste an einem öffentlichen Ort stattfand und daher mühelos von einem Journalisten aufgegriffen und in einer Glosse verarbeitet werden konnte. Utz beherrschte das Spiel mit dem öffentlichen Interesse. Typischer Dialog zwischen uns: „Du musst OB-Kandidatin werden!“ „Du spinnst!“ „Lass uns einen Prosecco aufmachen und überlegen, wie wir das machen.“ Für mich war er eine Mischung aus Vater, Antreiber, Verbündeter und Sparringspartner für politische Projekte und Ideen. Für alle war er ein Mensch mit klaren Haltungen, aber ohne Ideologie. Kantig und unterhaltsam. Man konnte sich an ihm reiben, mit ihm streiten, mit ihm viel Vergnügen haben – aber eines sicher nie: sich langweilen. Trübsal und Larmoyanz war nichts für ihn, er war ein sonniger Optimist und schaute mit Vergnügen nach vorn. Ich weiß nicht, was seine letzten Worte waren. Doch ich stelle mir vor, es war etwas wie „Mehr Licht!!!“
Lieber Utz, danke für alles.

Utz W. Ulrich, geb. am 15.8.1939 in Würzburg, war seit 1972 Mitglied der FDP. Seit 1977 führte er als Rechtsanwalt seine eigenen Kanzlei (Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht für mittelständische Unternehmen). Von 1990 bis 2014 war er für die FDP im Nürnberger Stadtrat mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Kultur vertreten im Kulturausschuss, Rechts- u. Wirtschaftsausschuss, Ältestenrat der Stadt Nürnberg und im Baukunst-Beirat. Als Nürnberger Liberaler mit Ecken und Kanten, Franke von Geburt und Überzeugung, unterstützte Utz W. Ulrich durch seine Mitgliedschaft über 35 Vereine und Organisationen, vor allem im kulturellen Bereich. Utz Ulrich starb am 27.8.2017 im Alter von 78 Jahren in Nürnberg.


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